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Leila Surhab Filmkonzept Leila Surhab Filmkonzept

Leila Surhab

Was ist Arbeit wert? Ich sehe meinen Mitbewohner D. jeden Abend überarbeitet und schimpfend von der Arbeit als Elektriker zurückkommen. Obwohl er es seinen Schilderungen nach zu hassen scheint, macht er nie blau. Bisher bekommt er für seine körperlich anstrengende Arbeit einen Stundenlohn von weniger als 3 Euro. Nun soll er so schnell wie möglich eine Festanstellung bekommen und muss seine Ausbildung um 1,5 Jahre verkürzen, was bedeutet, dass er neben seiner vollen Arbeitswoche noch die Zeit auftreiben muss, um selbstständig für seine Prüfung zu lernen. Eigentlich wäre D. gerne Lehrer geworden, konnte sich mit dem Studieren an sich bisher aber nicht anfreunden. Er und seine Kollegen musste die ganze Corona-Zeit hindurch schwer schuften. Häufig arbeiten sie auf der Baustelle und in Frankfurter Hochhaussiedlungen (“Ghetto” ähnliche Siedlungen) – haben aber auch schon die Lichter in einer Kirche repariert. Er und seine Kollegen sind sehr offene, humorvolle Antihelden mit rauer Zunge und Hang zum Drogenkonsum. Besonders gut ist seine Beziehung zu seinem Chef, der, mit seinem Charakter, alle Klischees über homosexuelle Männer zu brechen weiß. Ich wäre gespannt zu sehen was passiert, wenn ich sie mit der Kamera begleite, wie viel ich vielleicht selbst mit anpacken muss, was für Gespräche bei Firmenfeiern entstehen usw. Die mit einfließenden Aspekte von Migrationshintergrund, Homosexualität und Drogenkonsum sollen nicht explizit Handlungsgegenstand des Films sein. Allgemein wird kein Material gezeigt, das dem Betrieb schaden könnte. Ebenso wenig soll der Film moralisch appellieren. Es soll eher ein sehr persönliches Portrait dieser schwer arbeitenden, sehr unterschiedlichen Charaktere entworfen werden. Der Betrieb ist bereits informiert und hat vorläufig zugesagt.

Filmisches Vorgehen:

D. wird mit der Kamera über einen gewissen Zeitraum bei der Arbeit und in seinem Privatleben begleitet. Ich werde zusammen mit ihm früh morgens aufstehen und mit an die Einsatzorte (Baustellen, Hochhaussiedlungen, Öffentliche Plätze) kommen. Nach Absprache wird es mir hoffentlich auch möglich sein, in einigen Privatwohnungen zu filmen. Die Möglichkeit seinen Alltag zu begleiten, bietet auch den Ausblick auf die aktuelle Situation während der COVID-19 Pandemie – im privaten als auch im Öffentlichen Rahmen: Wer arbeitet aktuell wie und wo? Außerdem will ich D. und seinen Kollegen auch die Möglichkeit geben selbst zu filmen, sollte ihr Arbeitsalltag dies zulassen. Dies könnte erkennen lassen, was ihnen Arbeit individuell bedeutet und wie sie ihre Arbeit wahrnehmen.
Interviews sollen einen weiteren Bestandteil des Films ausmachen. Ich würde gerne sequenzartige Interviews einblenden um alle Hauptdarsteller einmal vorstellen zu können.

Ästhetisch würde mir eine Mischung aus Spielfilm-Optik und Dokumentarischer Brutalität gefallen. Es soll ein Clash zwischen „dem Dreck des Alltags“ und „den Träumereien des Alltags“ aus junger Sicht provoziert werden. D. ist nämlich voller Unternehmungsgeist, familiär, ein Partytier und Großmaul mit Herz…

Exkurs/Antagonist:
Zusätzlich, als Antagonist würde ich gerne einen jungen Investment-Banker begleiten und interviewen. Dies ist bisher noch nicht weiter konzeptualisiert worden, aber mir ist eine Person bekannt, die als Antagonist in Frage käme. Es würde die Fragestellung danach, was Arbeit wert ist, umso mehr unterstreichen…